Der Marshall Plan – Daten, Dollar, Demokratie
Diese Übung untersucht eines der ambitioniertesten Wirtschaftshilfeprogramme der Geschichte und seine Auswirkungen auf den westdeutschen Wiederaufbau. Im Mittelpunkt steht die Frage, welche Rolle der Marshallplan (European Recovery Program) tatsächlich für das deutsche "Wirtschaftswunder" der 1950er Jahre spielte. War die amerikanische Hilfe entscheidend für den wirtschaftlichen Aufschwung oder nur ein hilfreicher Beitrag neben anderen Faktoren wie der Währungsreform, der Sozialen Marktwirtschaft und dem qualifizierten Arbeitskräftepotenzial? Das Seminar verbindet historische Quellenarbeit mit wirtschaftswissenschaftlichen Analysen und bietet Einblicke in die komplexen Zusammenhänge zwischen internationaler Politik, Wirtschaftspolitik und gesellschaftlicher Entwicklung in der Nachkriegszeit.
In dieser forschungsorientierten Übung arbeiten die Studierenden mit Originaldokumenten aus der Marshallplan-Ära (ERP-Berichte, Bundestagsdebatten, zeitgenössische Zeitungsartikel), analysieren wirtschaftshistorische Daten und diskutieren kontroverse Interpretationen der Forschungsliteratur. Durch vergleichende Perspektiven (Westdeutschland vs. andere Marshallplan-Empfänger, BRD vs. DDR) entwickeln die Teilnehmenden ein differenziertes Verständnis für die Ursachen des westdeutschen Wirtschaftswunders. Das Seminar schlägt zudem eine Brücke zur Gegenwart, indem es fragt, welche Lehren der Marshallplan für heutige Wiederaufbauprogramme und Entwicklungspolitik bietet – von Osteuropa nach 1989 über den EU-Wiederaufbaufonds "Next Generation EU" bis zum geplanten Wiederaufbau der Ukraine.